Montag, 6. Juli 2009

Sommerliche Cucumberzeit

Da ist es Sommer und die Zeitungen werden dünner, die politischen Talkshows gehen (mangels Themen) in den Sommerurlaub, den die Zuschauer sich redlich verdient haben, besonders den von Anne Will (aber sie kanns nicht). Nun, Sabbel-Christiansen war noch schlechter weil egozentrischer...
Nun ereignet sich aber in Lateinamerika gerade was, das die Welt aufhorchen läßt, und zumindest ein wenig verunsichert: Honduras, eines der ärmsten Länder Lateinamerikas, hat seinen linken Präsidenten gestürzt, und es ist sehr schwer, in den Medien, etwas über die Hintergründe zu erfahren (rechte Kreise in diesem Land sollen das getan haben!). Erst bei längerem Suchen erfährt man, dass dieser linke Präsident Selaya mit Hugo Chavez, dem linken enfant terrible, Indianer und Beschützer der Entrechteten (sagt er), sympathisiert. Das hat ihm, wie weiland Allende, mit Hilfe eines rechtslastigen Parlaments, der katholischen Kirche und des Militärs, sein Amt gekostet, allerdings, wir sind ja zivilisierter geworden, die alte CIA gibts ja glücklicherweise nicht mehr, ohne (bisher) sein Leben zu verlieren.
Unsere Medien, ZDF und ARD einmütig wie immer, haben sich nicht zu schade gefunden, einen Aufruf eines Bischofs dieses Landes gesendet zu haben, in dem dieser scheinheilig, wie diese "Gottesvertreter" nun mal sind, den rückkehrwilligen Präsidenten um des lieben Friedens (wessen?) willen zu "bitten", nicht zurückzukehren. Nun, er ist nicht zurückgekehrt, weil ihm die Landung versagt wurde (Autos auf der Landebahn), aber er hats wenigstens versucht. Mutiger Präsident. Er hat meine Sympathien.
Wie schön wäre es, wenn sich unsere Partei, die SPD, mit diesem Präsidenten öffentlich solidarisch erklären würde? Und mit anderen, die ebenfalls mit Hugo C. smypathisieren? Es würde das Blabla unserer Politker aufmöbeln und es würde die Parteiverdrossenheit vermindern, und es wurde der SPD sicher Wähler bringen!!!!
Ich vermisse starke Stellungnahmen. Und starke Sozialdemokraten.
Nun, es ist Sommerzeit. Zeit für Sommerinterviews. Zeit für intensives Blabla.
/ghe

Samstag, 20. Juni 2009

Entführung im Yemen

Als "alter" Yemenit glaube ich, dass ich die Lage im Yemen relativ gut beurteilen kann: Diese Entführung und ihr teilweise tragischer Ausgang hat andere Wurzeln als die, über die man gemeinhin berichtet. Abgesehen davon, dass man möglichst aus den Gebieten um Saada und Marib fernbleiben sollte (Bürgerkriegsgebiet) kommen hier langsam Einzelheiten ans Licht, die einen das Gruseln lehren können: diese sogenannten Entwicklungshelfer waren in Wahrheit evangelikale Missonare. Sie wurden in dubiosen Bibelschulen und anderen verantwortungslosen Organisationen (eine heisst "Weltweiter Einsatz für Christus" aus Eppstein/Taunus)ausgebildet und hatten den Auftrag in dieser Gegend, die voll in der Hand der Islamisten ist, zu missionieren. Das kommt fast einem Todesurteil gleich, wobei ich das nicht als Rechtfertigung dieser Einstellung verstanden sehen möchte.
Einerseits weiss man kaum etwas über unsere Fundamentalisten (kümmert sich der Verfassungsschutz eigentlich nicht darum?), und "Bibelschule" und "Koranschule" sind austauschbare Begriffe, andererseits zeigt sich auch, wie vielschichtig und kritikwürdig "Entwicklungshilfe" in einem solchen Lande realisiert wird. Und von religiöser Toleranz geneüber Andersgläubigen ist hier wohl nicht viel zu merken.
Kurz: eine tragische und vermeidbare Geschichte, deren bereits tragischer Ausgang für 3 der "Missionare" sich hoffentlich nicht auf die andern ausweiten wird.
hier der Spiegel-Link

Mittwoch, 17. Juni 2009

solare Energie in der Sahara? Neokolonialismus!

Als langjähriger SES-Afrika-Experte mit mehrfachen Entwicklungseinsätzen als Arzt in Ostafrika und anderen Ländern habe ich die Energie-Notlage der Subsahara-Länder Afrikas kennengelernt. So bin auch ich der Meinung, dass solare Energiegewinnung ein total ungenütztes Potential des afrikanischen Kontinents ist. Das Projekt, solare Energie in nordafrikanischen Bereichen zu gewinnen, scheint mir daher, wenn es denn technisch und kostenrelevant umsetzbar ist (was ich noch bezweifle), eine riesige Chance für den gesamten afrikanischen Kontinent zu sein.

Was mich aber an dem Konzept, so wie es in den Medien übereinstimmend berichtet wird, immens stört, ist die öffentlich geäußerte Absicht, hier (in Afrika also) eine Energiequelle nur für Deutschland "aufzureißen". Dieses ist ein westliches Industrieland, das bisher Afrika und seine Länder, abgesehen von Scheckheft-Entwicklungshilfe, wirtschaftlich fast völlig im Stich gelassen hat und seinen Markt, wie alle anderen EU-Länder auch, weitgehend abgeschottet hat. Die Absicht also, Sonnenenergie auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen, die "nur" Deutschland zur Verfügung stehen soll, ist für mich reiner Neokolonialismus und kann so nicht ernsthaft diskutiert werden, zumindest nicht dann, wenn über den reinen Medienrummel hinaus sachliche Gründe für die Realisierung angeführt werden sollen.

Hierzu zählt die seriöse Vorplanung mit der finanziellen Aufwandsberechnung (immerhin angeblich 400 Mrd. Euro!) genau so wie die frühzeitige Einbeziehung der afrikanischen Länder, in denen die Anlagen aufgestellt werden sollen. Da ist dann ein besonderes Augenmerk auf die politische Situation zu richten, denn sowohl der Tschad, der Sudan und gerade auch Somalia und Äthiopien sind politisch instabil und haben große Minderheitenprobleme (wie bekannt).

In einem weiteren Schritt muss m.E. zwingend eine Absprache mit der Afrikanischen Union und SDAC (wirtschaftlicher Zusammenschluss südlicher Staaten, wie Angola, Mozambik, Südafrika und etwa Zimbabwe) erfolgen, so schwierig das auch sein wird. Aber nur so kann eine solide Grundlage dieses ehrgeizigen Projektes geschaffen werden, die dann nicht nur Deutschland (überhaupt: sind wir denn plötzlich wieder Alleinversorger ohne europäischen oder globalen Kontext?) zugute käme sondern auch und eben besonders dem heuchlerisch so hochgelobten und tatsächlich so allein gelassenen Kontinent Afrika. Es wäre auch eine Chance zu dessen wirtschaftlicher Selbstbestimmung, und ein wirksamer Beitrag zum BMZ- Milleniumsziel, die Armut in Afrika in diesem Jahrhundert zu halbieren.

Neokolonialismus und Ausbeutung können nicht zukunftsweisend sein, auch wenn sie den Wohlstand in Deutschland sichern könnten. Christlich ist das nicht. Allein der Gedanke daran beschämt.

/ghe

Freitag, 3. April 2009

Arztberuf und Pflegeberuf; gleicht sich das Berufsbild an?

Nach der gestrigen öffentlichen Verlautbarung der GM zusammen mit den Krankenkassen und den Kliniks-Ärzteverbänden (es traten alle drei auf, doch zu Wort kam nur die
Krankenkassenvertreterin!) kamen mir als altem KH-Arzt und Kardiologen Gedanken, was sich alles ändern könnte, wenn man vorurteilslos und spannungsfrei an die Problematik der Aufgabenverteilung Arzt/Schwester herantritt. Bisher war diese ja strikt getrennt, mit gewissen, von beiden Seiten geduldeten Überschneidungen, nach dem Motto: wers besser kann, solls machen. Das galt beim Arzt für Spritzen, Blutentnahmen (ich habe dabei als junger Arzt oft geschwitzt und war so stolz, es
der älteren erfahrenen Schwester gleich getan zu haben)genauso wie bei der Schwester, wenn sie sich am Diagnose-oder Therapieprozess beteiligte, dann aber schief beäugt vom Arzt, besonders wenn er Chefarzt war. Und es ergaben sich auch Rivalitäten, die oft in Mobbing-artige Situationen gegen beide Bereiche eskalierten, zum Schaden oft der Patienten!
Was kann sich, wird sich ändern?
Nun, das Krankenhaus ist mehr und mehr zum apparativen Akutversorgungsplatz an der Front der Eingriffe und Operationen geworden, in dem die ärztliche Kunst zur Darstellung (und Selbstdarstellung) von Fertigkeiten (Herzkatheter, Koronarintervention, TEE, ICU-Eingriffe und vieles mehr) und deren Eitelkeiten degeneriert ist. Dazu kommt die kurze Patienten-Verweildauer und die enorme Überlastung mit fachfremden bürokratischen Tätigkeiten, die den Arzt (aber auch die Schwester) schlicht überfordern. Eine neue Aufgabenbverteilung zwischen beiden Berufsgruppen erscheint mir unvermeidlich, wenn man die einzig wichtige Aufgabe der Patientenversorgung nicht in Frage stellen will.
Leider schweigen sich die Berufsgruppen zu diesem Thema öffentlich aus, demonstrieren aber einen vagen Konsens, der sich nicht festmachen läßt an konkreten Aussagen. Aber so ist Politik heute leider. Dabei kann man ohne weiteres bestimmte Fertigkeiten des Krankenhausarztes, ich nenne mal provokativ

- Herzkatheter
- Ultraschalluntersuchung
- die Basisversorgung auf der ICU

Letzere wird in Form der technischen Beherrschung der Geräte schon heute besser und sicherer vom Intensivpfleger übernommen (leider in einer gesetzlichen Grauzone) als von jedem Arzt, selbst wenn er Intensivarzt ist. Das habe ich immer wieder erlebt.

Das und viel mehr könnte zu einer Beruhigung der Situation im KH führen, es ist überfällig und muss natürlich mit einer Änderung der Ausbildungsordnung auf beiden Seiten parallel gehen. Ansätze eines gemeinsamen Studienganges beider Berufsgruppen in speziellen Bereichen (Anatomie, Physiologie, Sachkunde in Gerätelehre etc) werden ja derzeit diskutiert und sind der richtige Weg meiner Meinung nach, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Natürlich kostet das mehr Geld. Das muss man wissen.
Der Arzt ausserhalb der diversen Funktionsbereiche - auch der niedergelassene Arzt im Verbund der Integration - ist dann der eigentliche Patientenpartner, etwa durch Gesprächsführung, Beratung oder Überwachung der eingeschlagenen Therapiewege. Er kehrt sozusagen in essentielle Gefilde zurück. das wäre schön und für den Patienten beruhigend!
GHE

Donnerstag, 12. März 2009

"Öffne meine Augen"

Wir waren gestern in einem recht beeindruckenden spanischen Film mit obigem Titel, der die Probleme der häuslichen Gewalt thematisiert, am Beispiel einer Provinz-Ehe im Rahmen der Kleinstadt Toledo. Die Frau ist (mit einem etwa 8jährigen Knaben) dabei, sich aus einer Ehe mit einem gewalttätigen Ehemann zu befreien, was im spanisch-katholischen Umfeld trotz einer liberalen Schwester schwierig ist, später aber mit Unterstützung durch aktive Frauen und in einer Art beruflicher Emanzipatiion, gelingt. Die (körperlich) gewalttätige Periode wird nicht gezeigt, sie liegt am Anfang in der Vergangenheit. Der Film nimmt eine andere Wendung.
Der schauspielerisch hervorragende Film enthält mehrere Botschaften, die einfache: Gewalt in der Ehe kann durch gemeinsame weibliche Stärke beendet werden. Die komplexere: der animalisch gespielte und intellektuell durch die Frau überforderte Ehemann - wenngleich etwas überzeichnet - hat sicher "einen an der Waffel" und wirkt in seinem Gewaltverhalten erstaunlich variabel: er nimmt einsichtig zunächst an einer Therapiegruppe teil, fällt aber immer wieder zurück, zum Teil autistisch, man kommt nicht an ihn heran. Dann aber eskaliert der Zustand zu einem brutalen, nicht gewalttätigen Szenario, in dem die Frau "nur" psychisch angegriffen wird, das aber "brutalstmöglich" durch gewaltsames Entkleiden und den Versuch der Zurschaustellung der nackten Frau auf dem Balkon endet. Der Ehemann hat sich also zu einem Psychotäter gewandelt. Schuld ist die Therapiegruppe? Hat sie auch ihm auf eine tückische Art die Augen geöffnet, sich ganz andere Szenarien auszudenken?
In der anschließenden Diskussion vergaß ich folgenden Aspekt: Es gibt ja nicht nur häusliche Gewalt, die von Männern ausgeht sondern auch die von Frauen. Diese ist eben nicht körperliche, sondern in erstern Linie sublime, psychische Gewalt, aber darum nicht "besser"; sie trägt über längere Phasen, oft fast durch eine ganze Ehe, in der sich der Ehemann irgendwie arrangiert. Die Schäden, die der Mann davonträgt, sind sicher nicht weniger schlimm, sie liegen im Seelischen.
Nur: der mainstream unserer feminisierten Gesellschaft redet nicht darüber! Man sollte aber...
Auch dafür gibt der Film Anlass. Leider als Nebeneffekt.
/ghe

Freitag, 20. Februar 2009

Heinz Ehrhardt gestern abend ARD...

Heinz Erhardt, gestern, ohne Not,
da schlug man dich im Fernsehn tot.
Es war die Zeit für unser aller
schamlose üble Fernsehgala
zu Deinen Ehren -
kannst dich nicht wehren -
aber
du kennst's Gelaber,
schriebst selber schon zu dem Gewese
"so ein Käse".
O,lass Dich nicht verächtlichen,
Gott straf die öffentlich rechtlichen...

Dieser untaugliche Versuch, post"festum" dieses gräßliche Fernsehereignis gestern in der ARD zu kommentieren, kann nur passend sein zu dem üblen Desaster. Heinz Erhardt, den sie alle loben mussten (aber nicht zu sehr) war diese Proletengala gewidmet; besser wäre es gewesen, es ganz zu lassen. Die Akteure, moderiert von einer unfähigen, dch zum Glück noch nie gesehenen Moderatorin, waren das Gegenteil von subtil, aber so ist das Fensehen eben. Die sehnlichst erwarteten Sketchs von HE wurden durch lebende Kommentatoren (sog. Zeitzeugen) vernichtet, keiner wurde in voller Länge gezeigt. So kann man dieses Wortgenie zerstören, das zumindest ist den Herstellern dieses Machwerks gelungen.
Doch ist das was Neues? Reich-Ranicki hat eben recht, selbst wenn es seltene gute Fernsehsendungen der Öffenlichen gibt.
Entschuldige bitte, Heinz!!
ghe

Montag, 26. Januar 2009

Zumwinkel-Fragen...

Zwei Fragen stellen sich mir als Sozialdemokrat mit Gerechtigkeitsanspruch gegenüber der Verhandlung gegen den Multimillionär Zumwinkel:
1. Warum wurde die erste Staatsanwältin Lichtenhagen vor der Anklage in ein kleines Provinzamtsgericht versetzt? Hätte sie ein schärferes verfahren leiten können?
2. Warum wurde der Streitwert auf unter eine Million gesetzt, nur weil eine Anklageschrift nicht fristgerecht versandt worden ist? Denn bei über einer Million Streitwert wäre der Z. unweigerlich ins Gefängnis gewandert und hätte nicht den Vorteil einer Strafe auf Bewährung nutzen können.

Wir leben, das muss man aus diesem Prozess erneut entnehmen, in einer Zweiklassen-Justiz: Die Armen hängt man, die Reichen läßt man laufen.
ghe