Über das "Buch" zu räsonieren, kann nur der, der was davon versteht. Also ich?? "Wovon eigentlich? Ich nehme an, vom Satzbau", sagt Gottfried Benn, Dichter unserer Jugendtage. Und ich finde, da hat er recht.
Das Buch ist heute aber weniger Gegenstand von Inhalt, als Gegenstand von Verkaufszahlen und Coveransichten, und die werden derzeit mit Hilfe neuartiger Lesetechniken gesteigert. Ich spreche vom elektronischen Buch, dem eBook und seinem Leseinstrument, dem eBook-Reader. Auf der Buchmesse in Frankfurt - wir haben sie vor Jahren auch mal besucht, trafen wir z.B. Makaris, den griechischen Krimi-Autor, und der war ziemlich langweilig - gabe es wieder den sogenannten Verkaufshit Ebook, aber der weist ja immer noch nur etwa 1-2% der Gesamtumsätze auf. Das beruhigt.
Bücher zu lesen, bedeutet unter anderem, wenn es denn ein "gutes" Buch ist, darin zu wohnen, sich häuslich einzurichten, die Personen und ihre Eigenschaften quasi in seine Freundeskreis zu übernehmen. Dazu bedarf es ruhiger Minuten, wenn nicht Stunden, und des bedarf der Konzentration. Es bedarf auch des Interesses am Anfassen, am Blättern und Aus-der-Hand-Legen. Es bedarf, nicht ganz unwichtig, realen Speicherplatzes, eines Bücherregals, oder einer ganzen Bücherwand. Bücher sind Freunde, manchmal auch Feinde und ganz selten auch Wegwerfkandidaten. Letzteres dann, wenn sie "unmöglich" sind, d.h. dass man den Inhalt nicht bei sich haben will. Selten, wie gesagt.
Und was ist es nicht für ein Erlebnis, ein schon älteres Buch, das in die Jahre kam, in die Hand zu nehmen und darin zu blättern, alte Anmerkungen zu betrachten oder den oft sütterlinschen Namen eines früheren Eigentümers zu lesen. Eselsohren eingeschlossen: da ist man mal stehen geblieben, hat das Buch aus der Hand gelegt... Ich besitze eine 1937er Ausgabe der Buddenbrooks, der Buchrücken ist mehrfach geklebt, es ist verschlissen und seine Schrift ist: Fraktur, was bedeutet, sie ist altmodisch, aber sie ist - dem Bande angemessen. Nun ist dieser Jahrhundertroman allerdings mein Lieblingsbuch überhaupt, man entschuldige also meine Aufregung.
Ja, ich bin ein Bücherfreund, entstamme dem "analogen" Zeitalter, obwohl ich das digitale von Anfang an erleben konnte - und es keineswegs ablehne. Doch diese neue Sache mit dem Ebook, und den dazugehörigen E-Readern, das ist schon ein ziemlicher Hammer. Doch sie kumulativ zu verdammen und zu verbannen, ist auch falsch. Z.B. bei wissenschaftlichen Publikationen kann das Ebook schon seine Dienste tun. Ich besitze da ein (in die Jahre gekommenes) 3500 Seiten starkes medizinisches Lehrbuch der Inneren Medizin. Das in die Hand zu nehmen, ist allein schon eine körperliche Leistung, ganz zu schweigen von der geistigen! Als Ebook ist es leicht (in die Hand zu nehmen). Vorteil also. Und die Aktualisierung solcher Bücher... auch einfacher als Ebook, denke ich im Sinne der Rapidität des Internet.
Aber die Buddenbrooks als Ebook - gibt es wirklich! - brrrr!
Donnerstag, 14. Februar 2013
Montag, 4. Februar 2013
Kriegsverbrecher Röchling und das Saarland
Das ist ja eine merkwürdige Überschrift dieses Blogs, wird der Leser meinen. Denn der Name Röchling ist auch im "Reich" durchaus positiv besetzt, als Industrieller, der Kohle und Stahl an der Saar groß machte, als Initiator von Sozialleistungen für "seine Arbeiter", und nicht zuletzt als Namensgeber für einen in den 60ern nicht unbekannten Fussballverein ("Röchling-Völklingen") und für die "Hermann-Röchling-Höhe", eine 1300-Seelen-Siedlung auf einer Anhöhe, ca. 500 m üNN. Vielleicht weht da oben ja jene Art sauberer Gipfelluft, die die Abgehobenheit und "heitere Gelassenheit" der dortigen Bürger im derzeitigen Namensstreit in Völklingen mit begründet.
Was ist bisher denn eigentlich geschehen?
2000 entdeckte der Spiegel die Zusammenhänge, dass ein Großindustrieller und Kriegshetzer namens Röchling neben Hitler immer noch Ehrenbürger der Stadt Völklingen und Namensgeber der "Bouser Höhe" sei. Er habe die Misshandlung von Zwangsarbeitern in einem werkseigenen KZ zugelassen und diese im Stahlwerk ausgebeutet.
Eine Bürgergruppe fand aber erst 2011, dass die Namensgebung der "Hermann-Röchling-Höhe" ein großer geschichtlicher Fehler sei. Man ehre damit nicht einen Wohltäter der Stadt, sondern einen ausgewachsenen Kriegsverbrecher, sogar abgeurteilt und verwahrt, denn das sei dieser Hermann Röchling. Dann gab es natürlich eine Gegeninitiative der Bürger und Bewohner dieser Höhe, die sich mit 95% natürlich gegen jede Änderung aussprach. Der Stadtrat sah das anders - im Juni 2012 - und beschloss eine Bürgerbefragung, die jedoch nie stattfand; warum, konnte der Bürger aus den Presseverlautbarungen leider nicht entnehmen. Stattdessen beschloss der gleiche Stadtrat im Januar 2013 mit den Stimmen der SPD, die sich vorher lautstark dagegen ausgesprochen hatte, eine Umbenennung in "Röchlinghöhe", um den "Hermann" wegzubekommen und dafür der Familie mit ihren "unstrittigen Verdiensten um die Stadt" zu gedenken. Die SPD hatte nämlich im Juni 2012 noch dafür votiert, den Stadtteil in "Bouser Höhe" - so hieß er vorher - wieder zurückzubenennen. Insoweit fiel die SPD da richtig um. O Genossen. Immerhin stand der Stadtrat richtig unter Druck, weil sowohl seriöse Historiker wie auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden im Saarland sich gegen den gegenwärtigen Zustand ausgesprochen hatten. Und Demos vor der Rats-Sitzung sowie auf der Höhe fanden ebenso statt. Da war also Druck im System.
Das ist etwa der gegenwärtige Sachstand.
Was soll man sagen? Der Name muss weg!!
Die Entscheidung, die nun getroffen wurde, ist mehr als halbherzig, denn sachlich gesehen ist die Familie im Nazireich auch als Ganzes dem Unrechtsstaat verfallen gewesen, und zudem kann jeder, der will, auch weiter den "Hermann" hinzufügen, oder sich das wenigstens denken.
Abgesehen von der Geschichtlosigkeit und Borniertheit einer solchen politischen Entscheidung, auch der meiner Genossen, kann man ablesen, wie heute noch, 80 Jahre nach der "Machtübernahme" 1933, mit Nazigeschichte umgegangen wird. In den Köpfen vieler ist immer noch Verdrängen und Schweigen die Hauptreaktion. Zwar sind die Bürger da oben in einer Altersgruppe, die noch Reste alten Denkens vermuten läßt ("Nicht alles war schlecht damals"), doch wird ja dieses Denken auch an die Jugend weitergegeben, die zwar nicht mehr direkt Schuld auf sich geladen hat, die aber eben auch nicht vergessen darf, was damals an horrendem Unrecht geschah. So gesehen, ist der Vorgang hier in Völklingen, in der tiefen Provinz, ein schlimmes Beispiel für die immer noch ewig Gestrigen, immer immer noch wirksam Tätigen in unserer Gesellschaft. Sollte man mit Brecht sagen: "der Schooß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"?
Was ist bisher denn eigentlich geschehen?
2000 entdeckte der Spiegel die Zusammenhänge, dass ein Großindustrieller und Kriegshetzer namens Röchling neben Hitler immer noch Ehrenbürger der Stadt Völklingen und Namensgeber der "Bouser Höhe" sei. Er habe die Misshandlung von Zwangsarbeitern in einem werkseigenen KZ zugelassen und diese im Stahlwerk ausgebeutet.
Eine Bürgergruppe fand aber erst 2011, dass die Namensgebung der "Hermann-Röchling-Höhe" ein großer geschichtlicher Fehler sei. Man ehre damit nicht einen Wohltäter der Stadt, sondern einen ausgewachsenen Kriegsverbrecher, sogar abgeurteilt und verwahrt, denn das sei dieser Hermann Röchling. Dann gab es natürlich eine Gegeninitiative der Bürger und Bewohner dieser Höhe, die sich mit 95% natürlich gegen jede Änderung aussprach. Der Stadtrat sah das anders - im Juni 2012 - und beschloss eine Bürgerbefragung, die jedoch nie stattfand; warum, konnte der Bürger aus den Presseverlautbarungen leider nicht entnehmen. Stattdessen beschloss der gleiche Stadtrat im Januar 2013 mit den Stimmen der SPD, die sich vorher lautstark dagegen ausgesprochen hatte, eine Umbenennung in "Röchlinghöhe", um den "Hermann" wegzubekommen und dafür der Familie mit ihren "unstrittigen Verdiensten um die Stadt" zu gedenken. Die SPD hatte nämlich im Juni 2012 noch dafür votiert, den Stadtteil in "Bouser Höhe" - so hieß er vorher - wieder zurückzubenennen. Insoweit fiel die SPD da richtig um. O Genossen. Immerhin stand der Stadtrat richtig unter Druck, weil sowohl seriöse Historiker wie auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden im Saarland sich gegen den gegenwärtigen Zustand ausgesprochen hatten. Und Demos vor der Rats-Sitzung sowie auf der Höhe fanden ebenso statt. Da war also Druck im System.
Das ist etwa der gegenwärtige Sachstand.
Was soll man sagen? Der Name muss weg!!
Die Entscheidung, die nun getroffen wurde, ist mehr als halbherzig, denn sachlich gesehen ist die Familie im Nazireich auch als Ganzes dem Unrechtsstaat verfallen gewesen, und zudem kann jeder, der will, auch weiter den "Hermann" hinzufügen, oder sich das wenigstens denken.
Abgesehen von der Geschichtlosigkeit und Borniertheit einer solchen politischen Entscheidung, auch der meiner Genossen, kann man ablesen, wie heute noch, 80 Jahre nach der "Machtübernahme" 1933, mit Nazigeschichte umgegangen wird. In den Köpfen vieler ist immer noch Verdrängen und Schweigen die Hauptreaktion. Zwar sind die Bürger da oben in einer Altersgruppe, die noch Reste alten Denkens vermuten läßt ("Nicht alles war schlecht damals"), doch wird ja dieses Denken auch an die Jugend weitergegeben, die zwar nicht mehr direkt Schuld auf sich geladen hat, die aber eben auch nicht vergessen darf, was damals an horrendem Unrecht geschah. So gesehen, ist der Vorgang hier in Völklingen, in der tiefen Provinz, ein schlimmes Beispiel für die immer noch ewig Gestrigen, immer immer noch wirksam Tätigen in unserer Gesellschaft. Sollte man mit Brecht sagen: "der Schooß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"?
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